Unsere Trainer:innen im Portrait

Unsere Trainer:innen stellen sich vor – Interviews von Monika Röder

Claudia Rüter

„Der Weg ist das Ziel oder das Ziel ist der Weg. Es ist beides.“

Der Club freut sich über kompetente Verstärkung:

Seit Februar 2026 übernimmt Claudia Rüter Gruppen im Kinderballett und der Tänzerischen Früherziehung für Kinder von 4-9 Jahren.

Mit ihrer warmherzigen Art, ihrer pädagogischen Erfahrung und ihrer Leidenschaft für Bewegung, Ballett und Tanz bringt sie frischen Schwung in unser Kursangebot. 

Herzlich willkommen im Club! 

Im Interview nimmt uns Claudia mit in ihre Welt zwischen klassischer Technik, Pädagogik und echter Begeisterung für Kinderballett. 

Wir sprechen mit ihr über ihre Arbeit als Trainerin und ihren Umgang mit Kindern. 

Wir möchten erfahren, wie sie arbeitet, was sie inspiriert und welche Bedeutung die tänzerische Früherziehung für junge Menschen hat. 

Foto (privat): Claudia Rüter - mit Leidenschaft für Ballett und Pädagogik

Claudias Biografie

Claudia Rüter ist DiplomBühnentänzerin und DiplomTanzpädagogin und leitet seit 1997 die Ballettschule Rüter in Backnang, ein professionelles Tanzstudio mit Schwerpunkt Ballett und künstlerischem Bühnentanz. Sie unterrichtet Kinder ab 3 Jahren, Jugendliche, Erwachsene und Menschen mit Behinderung.

Claudia wurde in Hamburg geboren, kam mit 6 Jahren nach Stuttgart da ihr Vater hier Arbeit fand. Die Mutter war Balletttänzerin mit Ausbildung an der Hamburgischen Staatsoper.

Claudia hat schon im Bauch ihrer Mutter mitgetanzt. Die Mutter fragte Claudia aber erst mit dem 7. Lebensjahr, ob sie Ballett machen möchte und meldete sie zur Aufnahmeprüfung an der John Cranko Schule Stuttgart an, die Claudia bestand. Mit 8 Jahren war sie erstmalig im Ballettunterricht und erhielt als Kind eine Ballettausbildung in der John Cranko Schule. 

Sie musste die Ballettschule leider verlassen, was für sie ein Weltuntergang war. Der Orthopäde, der die Kinder dort untersuchte, meinte, Claudia hätte einen steifen Wirbel im Rücken und es sei nicht mehr verantwortbar, sie weiterhin als Balletttänzerin auszubilden. 

Das fand sie schon damals sehr seltsam und auch aus heutiger Sicht passt es nicht, denn sie hat nach wie vor einen äußerst beweglichen Rücken.

Der entscheidende Wendepunkt kam als innerer Ruf. Claudia erinnert sich als wäre es gestern gewesen: „Im Chemieunterricht saß ich da, habe nichts kapiert, die Gedanken schweiften ab und wie eine Eingebung war der Gedanke da – ich muss unbedingt Ballett machen.“

Claudia setzte alles daran, um einen Platz zu finden, mit Aufnahmeprüfungen hier und dort, und bekam letztendlich durch den Rat einer ehemaligen Ballettlehrerin aus dem Marquardtbau am Stuttgarter Schlossplatz (eine alteingesessene Ballettschule namens Kuppe Loew) die entscheidende Orientierung, nach Mannheim an die Akademie des Tanzens zu Professor Jean Wallizu gehen.

Dort hat sie mit 17 Jahren das Tanzstudium aufgenommen und sich von der Stuttgarter Schule abgemeldet. Schule und Abitur waren nicht so wichtig, Claudia wollte Ballett machen. Sie wohnte im Studentenwohnheim, alleine auf sich gestellt. Zu dieser Zeit war sie noch an das elterliche Zuhause gewöhnt und noch ziemlich kindlich. Sie war die Jüngste, die Geschwister bereits Abiturienten. 

Ursprünglich wollte Claudia sich nur im Bühnentanz ausbilden lassen. Sie wollte auf die Bühne! Tanzpädagogik interessierte sie in diesem Alter überhaupt nicht. An der Hochschule war beides möglich. Da alle Tanzstudierenden ihres Jahrgangs aber auch im Fach Tanzpädagogik eingeschrieben waren, machte auch Claudia mit – und erreichte letztendlich zwei Diplome.

Aus heutiger Sicht war das eine kluge Entscheidung, weil man ganz anders auf den Tanz schaut.“

Nach ihrem erfolgreichen Abschluss des 4-jährigen Studiums im Jahr 1990 (unmittelbar nach der Wende) kam sie ans Mecklenburgische Staatstheater in Schwerin. Doch die Umstände dort gefielen ihr nicht. Sie wurden dort so schlecht behandelt, dass sie es nicht mehr aushielt und geflüchtet ist.

In der Ballettwelt geht es nicht immer sanft zu. Man soll schon hart trainieren, das gehört dazu, das würde ich nicht kritisieren. Aber das darf nicht psychisch belastend sein. Und was ich da durchgemacht habe, war schon extrem.“  

Wieder zurück in Stuttgart, quartierte sich Claudia erst einmal wieder bei ihren Eltern ein. Über die Kontakte der Ballettschule Kuppe Loew erfuhr Claudia von einer Musikschule in Winnenden, die dringend jemanden suchte, der Tanz unterrichtet. Claudia dachte: Was will ich denn in Winnenden?! – so jung wie ich noch war. Deshalb meldete sie sich nicht zeitnah zurück. Doch der Musikschuldirektor rief Claudia direkt an und sie vereinbarten ein Treffen. Beide wurden sich schnell einig. Claudia stellte jedoch eine Bedingung: Sie wollte Ballett und keinen allgemeinen Tanz unterrichten.

Claudia baute ein Tanzensemble aufIhr war es immer ein großes Anliegen, nicht nur Technik zu unterrichten, sondern eine Kombination aus „Tanz mit Bühne“.

Und Claudia merkte schnell: Das war ihr Leben!

Dadurch ist sie relativ früh in die Tanzpädagogik reingeschlittert, was sie eigentlich immer noch nicht wollte. Doch sie freundete sich schnell damit an und studierte bald mit den Kindern Aufführungen ein. So konnten die Kinder von Anfang an einen natürlichen Bezug zur Bühne entwickeln. 

Später wurde Claudia an die Musikschule Unteres Remstal in Waiblingen weitervermittelt und unterrichtete dort einige Jahre.

Dann entdeckte ihr damaliger Lebensgefährte eine Annonce, die alles verändern sollte 
In Backnang stand eine Ballettschule zum Verkauf

„Ich dachte noch: ich habe gar kein Geld und kann mir gar keine Ballettschule leisten.

Das konnte aber geregelt werden. Und Claudia wechselte nach einer Übergangszeit nach Backnang. 

So übernahm sie 1997 die Ballettschule in BacknangEigentlich wollte sie ab 1999 gemeinsam mit ihrem damaligen Lebenspartner zwei Schulen führen – in Waiblingen und Backnang. Doch in den Sommerferien 1999 nahm er sich das Leben. Ein Schock, der ihr Leben tief erschütterte.

Trotz der schweren Situation stellte sich Claudia der Verantwortung. Die bisherige Inhaberin Frau Gmelindie die Waiblinger Ballettschule 39 Jahre lang geführt hatte, ging in Rente. Von 1999 bis 2005 leitete Claudia schließlich beide Ballettschulen parallel. Sie powerte durch, unterstützt von einer zusätzlichen Lehrkraft. 

„Ich hatte das Gefühl, das Leben rast an mir vorbei und ich bekomme gar nichts mehr davon mit und dachte mir: eine Schule von beiden muss wegUnd entschied, die Schule in Waiblingen zu verkaufen und die in Backnang zu behaltenUnd konzentrierte mich auf die eine Sache, denn ich wollte ja auch meine Klassen selber unterrichten und nicht nur organisieren und leiten.

Interview mit Claudia

Was fasziniert dich so am Ballett?

Die pure Ästhetik und gleichzeitig die Ausdrucksmöglichkeit, die man mit Ballett hat. Eine starke Ausdrucksfähigkeit in Bewegung und Mimik kann den Funken zum Zuschauer überspringen lassen und das Publikum ist wirklich berührt. 

Es gibt tausend Tanzarten, die alle ihre Berechtigung haben. Jeder findet seinen Tanzstil und ich persönlich kann mit den Mitteln des Balletts, das zur Sparte des Künstlerischen Bühnentanzes gehört, alles anstellen.

Im Ballett entwickelt sich auch immer alles weiter. Es gibt die Grundtechnik, heute viel zeitgenössischen und modernen Tanz – das alles fließt in das Ballett ein. Man kann Ballett ultraklassisch oder total modern tanzen.

Wie modern darf klassisches Ballett sein?

Die Frage nach Trends? ITraining gibt es nicht die absoluten TrendsBallett hat den strikten systematischen Aufbau. Ballett bleibt stark traditionsgebunden, doch innerhalb dieser Tradition verändern sich Stil, Training, Ästhetik und Themen immer wieder, wenn Choreographien gestaltet werden. Da überlege ich mir Themen für Kinder und was davon zur Gruppe passt, denn das hat ja auch eine Außenwirkung. Bei den Kleinen ist man mit den Schritten stark begrenzt da die Kleinen noch nicht so viele Schritte können. 

Wie kam es zu deinem zu deinem Engagement als Ballett-Trainerin im SWC?

Das war ein reiner Zufall. Im Februar dieses Jahres suchte der SWC dringend Ersatz für den  Balletttanz, suchten jemand als Ballettlehrerin oder Ballettpädagogen.

Elena und Tobias – beide sind Profitänzer und trainieren im SWC – haben vor Corona in der Ballettschule Backnang in Privatstunden balletttechnisch trainiert, um sich selber weiter zu bringen.

Sie fragten mich über Facebook an, ob ich jemanden wüsste. Das Training wäre am Dienstag. Dienstag hatte ich noch einen freien Tag und dachte mir: den Unterricht gebe ich selber. Durch Corona hatten sich die Schülerzahlen nach unten entwickelt und die Stunden in der Backnanger Ballettschule konzentrierten sich auf vier Tage in der Woche.  
So ist jetzt der Dienstag für den SWC gebucht. 

Wie unterscheidet sich der Unterricht hier im SWC im Vergleich zur eigenen Ballettschule? 

Der Unterricht unterscheidet sich erstmal nicht. Zunächst musste ich die Kinder im SWC kennenlernen und schauen, auf welchem Level sie aktuell stehen. Nach und nach bringe ich meine eigenen Strukturen rein.

Vom Alter her habe ich in der Ballettschule differenziertere Einteilungen, im SWC umfasst die erste Gruppe ein viel größeres Altersspektrum, das ich so nicht zusammenfassen würde. Ich trenne nach Alter: 4-5 Jahre, 6-7 und 8-9 Jahre. Denn es ist ein himmelweiter Unterschied zwischen 4 und 6jährigen Kindern.

Die 4-jährigen sind noch Kindergartenkinder und die 6jährigen teilweise schon Schulkinder und können sich bereits länger konzentrieren. 4-jährige wären zusammen mit den 6-jährigen in einer Gruppe total überfordert. 

Wie hast du deine erste Trainerstunde im SWC empfunden? 

Meine Vorgängerin war bereits weg. Ich war einfach da, habe mich den Kindern vorgestellt. In den ersten Stunden haben wir uns erstmal ‚beschnuppert‘ und ich habe geschaut, was können die Kinder bereits schon.

Schnell habe ich gesehen: da sind tolle begabte Kinder dabei, in denen Potential steckt. Da kann ich was draus machen und das ist einfach schön. Es sind mittlerweile schöne homogene Gruppen.

Was bedeutet tänzerische Früherziehung und was ist dir dabei wichtig? 

Ich mache viel Spielerisches. Die Ballettübungen sind im Spielerischen versteckt und werden nicht als schlichte Übung geübt, denn das langweilt die Kinder schnell.

Zum Beispiel wenn die Füße angezogen oder gestreckt werden sollen, sage ich: Hallo und Tschüss“, anstelle von Flex und Point. Oder „Fenster auf und zu“ für Knie beugen. Oder verwende Fantasienamen wie „Rakete und Fallschirm“ für Bein hoch und langsam schwebend runter und Garage für die Fußposition. Dann ist das für die Kinder viel interessanter. Wir machen Übungen die schon in Richtung Ballett zielen, aber noch keine strikten Ballettstunden sind.

Auch verwende ich schon mal die französischen Begriffe, übersetze diese – z. B. plié – damit die Kinder sie schon einmal gehört haben. Sie müssen sie aber nicht auswendig können. 

Wir tanzen kleine Geschichten. Wie der Schmetterling, der aufwacht, der sich streckt, der umherfliegt, auf andere Schmetterlinge trifft. Hier sind die Armbewegungen schon mit drinnen.

Zudem haben wir kleine Tänze mit Pantomime – z. B. Flöte spielen. 

Wir üben Rhythmus klatschen, um das Rhythmus-Gefühl zu entwickeln. Mit den Händen klatschen oder auch mit den Füßen stampfen. Tanzen auch zu zweit, Hand in Hand, oder die Kreuzfassung. Oder tanzen im Kreis, damit man das Gruppengefühl entwickeln kann. Oder tanzen Raumformationen, diagonal, mit Hilfsmitteln – tanzen von rot zu blau oder grün zu gelb. Drinnen ist das Tanz-Muster versteckt. 

Wir arbeiten uns von Kopf bis Fuß durch, aber auf kindlich-tänzerische Art und Weise.

Welche Choreografie wird beim ersten Auftritt getanzt? 

Für den allerersten Auftritt zum Meisenfest Berkheim im Juli wird „Zirkuspferde“ und „Obstsalat“ getanzt. Jedes Kind darf sich aussuchen, welche Frucht es sein möchte: Kirsche, Erdbeere, Ananas etc. 

In meiner Backnanger Ballettschule habe ich einen riesigen Fundus an Kostümen und werde diese hier zum Einsatz bringen. 

Wir haben nur noch 6x zum Üben und die Zeit ist sehr knapp, zumal nicht immer alle Kinder bei diesen 6 Terminen da sind. Die Kleinen müssen sich die Choreografie merken und alles einprägen. Das ist noch eine kleine Herausforderung.

Wie schaffst du es, dass die Kinder in eine gute Balance zwischen Spaß und Disziplin kommen – eine tänzerische Förderung ohne Druck aufzubauen? 

Das ist immer eine echte Gratwanderung. Denn die Technik ist ebenfalls wichtig. Da gibt es nichts zu rütteln: Wenn man es lernen möchte, dann richtig! Nur lari fari – das ist es nicht.

Aber ich bin freundlich, mit allen verbunden, sodass wir auf einer Ebene sind und Respekt da ist.

Das Entscheidende ist und das versuche ich zu vermitteln: Jeder ist selbst dafür verantwortlich, dass etwas gelingt und zum Erfolg wird. Üben muss jeder alleine. Der Trainer ist der Vermittler und zeigt, so oder so kann es gemacht werden, damit es richtig ausgeführt wird.

Was tust du, wenn ein Kind mal frustriert ist oder sich nicht traut? 

Das hängt auch vom Alter ab. Bei den Allerkleinsten lasse ich sie auch mal an der Seite sitzen und gebe ihnen Zeit. Die totale Zwanghaftigkeit ist mir nicht so angenehm. Wenn das bei den Älteren jedoch zur Masche wird nicht mitzumachen und abzulenkengeht es nicht so, denn sie sind zum Training im ClubEine Trinkpause ist eine kleine Unterbrechung, nach der sie in der Regel wieder erfrischt weitermachen. 

Ein konkretes Beispiel gleich von heute: Eines der kleinen Mädchen wollte nicht mitmachen und meinte: „Beim nächsten Mal“. Ok, dann habe ich es immer wieder gefragt und aufgefordert. Irgendwann kam sie von ganz alleine und hat sich dazu gestellt. Das war für mich in Ordnung.

Mir ist jede Kinderseele immer sehr wichtig. Manchmal ist es auch ein Trennungsschmerz, von der Mutter weg zu sein – auch wenn es nur 45 Minuten sind. Das tut mir dann schon selbst in der Seele weh. Wenn die Kinder das überwunden haben, ist es auch wieder gut und sie sind freudig dabei.

Was ist für dich der schönste Moment im Unterricht? 

Wenn meine Schüler mit Spaß und Freude hier rausgehen und wenn sie dann auch richtig selber was können. Wenn ich sehe, dass jetzt die Haltung stimmt, die Pose richtig gut aussieht, das Beinewechseln gut gelingtKlar wenn ich sehe, jetzt können sie auch was, denn ich übergebe ja etwas, ich gebe es sozusagen an die Nächsten weiter und dann können sie dasDann können sie alles selbst und brauchen mich nicht mehr. So sage ich es ihnen: Ihr braucht mich am Schluss nicht mehr, denn dann könnt ihr alles selber.“

Gibt es ein Ritual vor oder nach einer Unterrichtsstunde? 

Ja, auf jeden Fall immer. Wir sitzen im Kreuzsitz im Kreis, ich gehe die Anwesenheitsliste durch und hake die Namen ab. Alle müssen dann freihändig aufstehen und sich kurz präsentieren. Gleich danach geht der Unterricht los.

Am Schluss verabschieden wir uns auf alle Fälle. Die kleinen Kinder sitzen im Kreis, die Großen stehen vor dem Spiegel, so als würden sie vor dem Publikum stehen und machen eine Verbeugung, révérence.

Aus pädagogischer Sicht extrem wichtig: niemand verlässt den Saal bevor wir uns verabschiedet haben.

Mal längerfristig geschaut – Welches Ziel verfolgst du mit deinen Gruppen – jenseits von Technik? 

Im Moment weiß ich noch nicht und das muss ich noch herausfinden, ob ich eine Gruppe behalte und diese immer weiterführe. Das würde ich schön finden, weil ich dann die Kinder Stufe für Stufe weiterbringen könnte. Oder ob jeder Balletttrainer im SWC eine bestimmte Altersgruppe hat und die Kinder dann wechseln, wenn sie herausgewachsen sind. Das weiß ich noch nicht zu 100%. In meiner eigenen Ballettschule führe ich die Schüler durch alle Jahrbis zur Bühnenreife.

Wie würdest du dich selbst in zwei Worten beschreiben – als Mensch und als Trainer? 

Ich bin sehr geduldig – bei mir selber eher nicht, aber bei anderen kann ich die super Geduld aufbringen. Das wurde mir schon oft gesagt, das krieg ich gut hin.  

Lustig – ich bin immer für ein Späßchen zu haben, aber trotzdem mit Ernsthaftigkeit bei der Sache. Ohne diese hat man keinen Erfolg. Dann wäre die Trainingszeit für Nichts totgeschlagen, das wäre Zeitverschwendung. Es soll ja im Training was Schönes dabei herauskommen und jeder soll spüren: Ich kann jetzt etwas. 

Hast du Vorbilder oder Lehrer die dich besonders geprägt haben? 

Ja – als Kind war es Marcia Haydée, die große Ikone von John Cranko, und ihr Partner, der Tänzer Richard Cragun. In meiner Kindheit waren die alle noch aktiv und ich habe sie live erlebt. In meiner kindlichen großspurigen Naivität dachte ich, die Marcia tanzt ja immer noch, aber was istwenn ich mal komme? Dann muss sie weg, weil ich ja dann komme. 

Sie hat ja bis ins hohe Alter getanzt. Für Ballettverhältnisse war sie ja schon uralt. Als Cranko verstarbblieb sie zunächst Primaballerina und leitete später als Ballettdirektorin die Compagnie noch 20 Jahre.

Im Teenageralter war Marion Jäger meine Lieblingstänzerin.

Wie hältst du dich selbst fit neben dem Ballett und Tanzen? 

Das Unterrichten von Kindern ist nicht das, was ich persönlich als Erwachsene bräuchte. Bis Corona war ich 2x wöchentlichen aktiv im Training bei Hitomi Asakawa in Stuttgart Ost. Jetzt habe ich mir ein eigenes Trainingsprogramm für zu Hause entwickeltziehe das 3-5 wöchentlich für 1,5 Stunden durch. Bodenübungen, Kraftübungen, Dehnübungen- das ist kein Balletttraining. Die Schulen bieten offene Klassen an und ich könnte jederzeit wieder hin gehen.  

Welchen Auftritt möchtest du gern mit deinen Ballett-Kindern wagen? 

Wann und wo? Wo liegt die besondere Herausforderung dabei? 

Die Adventsshow im SWC am 06. Dezember. Wir sammeln gerade die Ideen und das Thema. Dann wird sich alles Weitere noch entwickeln. Es wäre schön, zwei Tänze zu zeigen. Aktuell studiere ich mit der einen Gruppe das Zirkuspferdchen und mit der anderen Gruppe den Obstsalat‚ einDie Herausforderung liegt im Zeitfaktor, da bei 1x Training pro Woche es schwierig ist, mehreres Neues einzustudieren. Es liegen die Sommerferien dazwischen, dann ist schon Herbst und es bleiben nur noch wenige Wochen bis zur Show.  

Gibt es etwas, das wir noch nicht angesprochen haben, dir aber wichtig ist, es noch mitzuteilen? 

Meine Beobachtung der letzten Jahre: Vieles ist heute wie die Handy Hin-und-WischwegMentalität. Es fehlt im Großen und Ganzen das Durchhaltevermögen, der Biss. Auch dann dranzubleiben, wenn man mal keine Lust hatMan muss nicht immer Lust haben. Aber man bleibt dran. Die Lust kommt wieder von ganz alleine. Das Leben geht immer in Wellen auf und ab und rauf und runter – wie an der Börse. Wenn man sofort wieder alles hinschmeißt, dann kommt man ja nirgendwo hin. Letztlich gilt das Sprichwort: Der Weg ist das Ziel oder das Ziel ist der Weg. Es ist beides. Einfach auf dem Weg bleiben. Das ist wichtig. 

Man erreicht so viel innere Freude, wenn man einfach dranbleibt und die Tiefstphasen durchlebt hat. Nur dann kann der Mensch feststellen, welche innere Stärken in ihm leben. Diese kann man für sich nicht entwickeln, wenn man nicht mal durchhalten muss. Es ist sehr schade, dass das der aktuelle Trend ist. Ich versuche immerdas ein bisschen verständlich zu machen und die Schüler dazu zu bringen, einfach mal darüber nachzudenken. 

Oder das Thema Langeweile: Langeweile ist eigentlich ein Top-Punkt! Wenn ich zu diesem Punkt komme, dann kann ich mal richtig in die Tiefe gehen. Man kann dann mal reflektieren und sich fragen: Kann ich schon alle Posen oder stehe ich korrekt? Bin ich musikalisch? Es gibt ganz viele Aspekte die ich reinbringen kann. 

Man kann die lange Weile übersetzen mit: Und Ballett braucht eine lange Weile – schneller geht’s nicht.

Ich habe an meiner Ballettschule eine Chorografie-Klassein der die Kinder 1x in der Woche zusätzlich kommen. Hier machen wir Jazzdance und Modern Dance. Alles Aspekte die heute ins Ballett und in Zeitgenössischen Tanz einfließen. Mir ist es ganz wichtig, dass die Kinder selbst mit-choreografieren dürfen. Das fördert unheimlich deren Persönlichkeitsentwicklung und ihren persönlichen Tanzwerdegang.

Die Kinder entwickeln da etwas Eigenes: Sie suchen sich die Musik raus, überlegen sich ein Thema. Man kann auch etwas Abstraktes machen und die Musik umsetzen. Sie überlegen sich selber, welches Kostüm sie anziehenob sie etwas zu zweit oder alleine machen. Da habe ich immer wieder Kinder die eigenkreativ etwas entwickeln. In Backnang habe ich die Möglichkeit das beim Straßenfest aufzuführen. Das finde ich hoch spannend, was dabei für tolle Sachen herauskommen.

Kinder haben so viele Fantasien und Ideen in sich drinnen und nie die Möglichkeit, diese mal raus zu lassenJeder kann sich in die Choreografie einbringen, mitentscheiden, ob ein Schritt so oder so gesetzt wird. Das ist sehr reizvoll, da kann man die Kinder weiterbringen. Das ist für die Kinder ein toller Entwicklungsschritt.

Für den SWC wäre das ein zusätzliches Angebot und eine richtige Bereicherung des Kinder- Balletts. Meine Erfahrung: wenn man neben dem Ballett auch die modernen Tänze unterrichtet, ist es für das Ballett selber unheimlich hilfreich. Das ergänzt sich ganz tollIch lenke das auch und schaue von oben drauf, damit es Hand und Fuß hat und mit der Musik zusammenpasst.

Woher nimmst du die Ideen für neue Choreografien?  

Da lasse ich mich zum Teil von den Kindern inspirieren. Ich greife die Ideen auf – so mache ich eschon seit ganz vielen Jahren in meiner Ballettschule. 2008 hatte ich z. B. die allererste Aufführung mit dem Stück ‚Die entführte Prinzessin‘. Ich habe die Kinder gefragtWas soll alles in der Aufführung vorkommen? Es kamen so viele Sachen, dass ich dachte, die passen ja hinten und vorn überhaupt nicht zusammen: die Prinzessin, Piraten, Pinguine, Alaska, Hexen und dies und das. Daraus haben wir eine Geschichte gemacht, und am Schluss hat alles zusammengepasst. Seither mache ich das immer so, dass ich mich mit den Kindern und Jugendlichen zusammensetze, wir sammeln Ideen und dann filtere ich heraus wie die Geschichte wird. Das macht mich richtig stolz, ein gemeinsam mit den Kindern erarbeitetes Ergebnis zu habenDa sind die Ideen der Kinder mit drin. Das setzen wir um in Tanz und entwickeln es als Bühnenshow. Das ist es, was mich so unheimlich fasziniert an meiner Arbeit: Mit den Kindern und Jugendlichen gemeinsam etwas zu entwickeln. Da fließen nur so die Ideen. 

Was möchtest du am Ende dieses Gesprächs noch teilen, das dir besonders am Herzen liegt? 

In meiner Ballettschule in Backnang unterrichte ich Kinder ab 3 Jahren, Jugendliche und Erwachsene über 60+, zudem Menschen mit Behinderung, darunter ganz viele mit Downsyndrom und andere. Das habe ich schon gemacht, da kannte ich das Wort Inklusion noch gar nicht. Seit 2006 habe ich diese Tanzgruppe aufgebaut und es macht mir unheimlich viel Spaß mit ihnen zu arbeiten.  

Was wissen die meisten Menschen nicht über dich? 

Ich bin nicht verheiratet und hab auch keine Kinder. Aber ich habe viele Tanzkinder – schon mein Leben lang.  

Liebe Claudia, vielen Dank für deine Herzlichkeit und Offenheit. Wir wünschen dir viel Spaß mit deinen Tanzkindern und hoffen, dass wir mit diesem Interview noch andere Kinder und Eltern begeistern können und sie mit vollem Enthusiasmus in deinen Kurs einsteigen.

Das Interview führte Monika Röder

Herzlichen Dank!

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